AktionsbŁndnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung
 

Feste Fehmarnbelt-Querung vernichtet ca. 1.400 Arbeitsplätze auf der Insel

Entgegen den vollmundigen Versprechungen von Br√ľckenverfechtern wird eine feste Verbindung von Fehmarn nach D√§nemark f√ľr die Insel keinen Aufschwung bringen. Eine jahrelange Gro√übaustelle, hoher Transitverkehr und das Ende des F√§hrbetriebs gef√§hrden den Tourismus und rund 1.400 Arbeitspl√§tze auf der Insel, so realistische Sch√§tzungen.

Fehmarn geh√∂rt mit einer Arbeitslosenquote von 17 Prozent ohnehin zu den strukturschwachen Regionen in Deutschland. Hauptarbeitgeber ist der Tourismus, der mit saisonalen Schwankungen 2.400 Menschen in Lohn und Brot h√§lt. Ein weiterer wichtiger Arbeitgeber ist das F√§hrunternehmen Scandlines, das zusammen mit seinen Dienstleistungs- und Zulieferbetrieben weitere 700 Menschen besch√§ftigt. Nur in Handel und Gewerbe, Landwirtschaft, √∂ffentlichem Dienst, Einzelhandel und Fischerei gibt es dar√ľber hinaus noch relativ wenige Arbeitspl√§tze.

Tourismus ist Haupteinnahmequelle

Das Einkommen der Fehmaraner h√§ngt vor allem von den Ferieng√§sten ab: 90 Prozent ihrer Eink√ľnfte erwirtschaften sie direkt und indirekt durch den Tourismus. Eine im Auftrag des Landkreises Ostholstein und des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministeriums erstellte Tourismusstudie zeigt, dass etwa drei Millionen √úbernachtungen im Jahr bei 12.000 Einwohnern den Fremdenverkehr zum tragenden Wirtschaftsfaktor machen. Zum Vergleich: In der Gro√üstadt Hamburg (1,7 Millionen Einwohner) √ľbernachten j√§hrlich f√ľnf Millionen G√§ste. Hotels und Pensionen, Vermieter von Ferienh√§usern, Ferienwohnungen und Privatzimmern, Campingpl√§tze und Restaurants, Anbieter von Ausflugsfahrten, Fahrradverleiher, Sportanbieter u.a. erzielten auf Fehmarn im Jahr 2000 einen Nettoumsatz von 215 Millionen Euro.

Die Insel wird zur Großbaustelle

Der Bau einer festen Beltquerung und Anbindung nach D√§nemark verwandelt die nur 185 km2 kleine Insel √ľber fast zehn Jahre in eine gigantische Gro√übaustelle. Sie und der von ihr verursachte Schwerlastverkehr w√ľrden die touristische Qualit√§t der Insel erheblich beeintr√§chtigen. Die Untersuchung touristischer Aspekte durch Wenzel & Partner BDU sagt einen deutlichen R√ľckgang des Tourismus und den Verlust von Arbeitspl√§tzen voraus. ?Wenn sich der Tourismus um nur 25 bis 30 Prozent verringert, verlieren rund 600 bis 700 Fehmaraner ihre Arbeitspl√§tze?, erl√§utert Volker Riechey, einer der gr√∂√üten Tourismusunternehmer auf Fehmarn, die Sorgen seiner Branche. Weitere 700 Arbeitspl√§tze seien bedroht, wenn nach Fertigstellung der Br√ľcke die F√§hrverbindung eingestellt wird.

Mehr Risiken als Chancen f√ľr Fehmarn

Diese Bef√ľrchtungen werden in der Tourismusstudie des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministeriums best√§tigt. Dort bescheinigen die Gutachter, dass ?insbesondere auf der Ostseeinsel Fehmarn die Risiken f√ľr den Fremdenverkehr eindeutig gegen√ľber den Chancen? √ľberwiegen. Vor allem w√§hrend der Bauzeit w√ľrde der Fremdenverkehr ?nachhaltig beeintr√§chtigt?.

Keine Arbeitsmarkt-Impulse zu erwarten

Durch den Bau der Fehmarnbelt-Querung werden ? so der Kreis Ostholstein in einem an das Bundesverkehrsministerium gerichteten Thesenpapier ? keine neuen Arbeitspl√§tze in nennenswerter Zahl auf der Insel und in der Region Ostholstein entstehen. ?Die europaweiten Ausschreibungen werden vor allem internationale Gro√üunternehmen, die bereits Erfahrungen mit solch gigantischen Projekten haben, bevorzugen. Da haben wir kleinen ortsans√§ssigen Unternehmer kaum Chancen, an diesem Projekt mit einem erheblichen Anteil zu partizipieren?, bef√ľrchtet der Fehmaraner Unternehmer J√ľrgen Rathke.

Wird Fehmarn zum Sozialfall?

J√ľrgen Boos, Sprecher des Aktionsb√ľndnisses gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung, bef√ľrchtet negative Strukturver√§nderungen auf Fehmarn: ?Vielen Menschen, die sich jetzt noch ihren Lebensunterhalt durch den Fremdenverkehr selbst verdienen k√∂nnen, drohen Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe. Wie man aus anderen Regionen wei√ü, folgt dann eine noch gr√∂√üere Abwanderung der j√ľngeren Einwohner, die keine Zukunft mehr auf der Insel sehen. Als Konsequenz drohen die Schlie√üung des Gymnasiums und des Krankenhauses sowie der Verlust des Status als Ostseeheilbad.

Arbeitslosigkeit auf Fehmarn

Wie stark der Arbeitsmarkt auf Fehmarn vom Fremdenverkehr abhängig ist, zeigen die Arbeitslosenzahlen der Insel. Die saisonalen Schwankungen sind enorm. Im Januar 2002 waren 27 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitslos gemeldet, in der sommerlichen Tourismussaison sank ihre Zahl auf immerhin ?nur? 14 Prozent. Generell sind Arbeitsplätze Mangelware auf der Insel: Im Jahresdurchschnitt 2002 betrug die Arbeitslosenrate 17 Prozent, deutlich mehr als in Schleswig-Holstein mit insgesamt 12 Prozent.